
„Mir bleibt genug! Es bleibt Idee und Liebe!“, schrieb Johann Wolfgang von Goethe 1814 im Alter von 65 Jahren. Das Alter klopfte an die Tür, und das gestaltete sich vor gut 200 Jahren deutlich mühsamer und entbehrungsreicher als heute.
Mit Mitte 60 nahen Gleitsichtbrille und Gehhilfe. Das Greisenalter schieben wir noch lange auf. Und dennoch – zunehmend verzichten wir alle auf die bis dato schier unerschöpfliche Energie und die nahezu unbeugsame Gesundheit. Die Altersgrenze für die Berufstätigkeit ist erreicht, aber die geistige Frische und die emotionale Empfindsamkeit stehen unbegrenzt für das freie Leben bereit.
Ach Goethe, mein hoch verehrter JWG. Als junge Studentin habe ich mich in langen Sommersemesterferien durch die dtv-Taschenbuchausgabe gelesen. Stoff für Referate und Semesterarbeiten. Und als lebenslanger Begleiter ein moralischer Imperativ: Freiheit in sozialer Verantwortung.
Ich war jung, vom Land und sehr empfänglich für die großen Ideen gelehrter Dichter. Mittlerweile bin ich selbst 65 Jahre alt, noch immer leidenschaftliche Leserin und geübte Bloggerin.
Hier im kleinen Literaturmagazin finden sich Buchbesprechungen, kleine Ausflüge ins Theater und Texte über Themen, die mir im Alltag begegnen. Solange auch mir „Idee und Liebe“ viel Anregung und Freude in mein Leben bringen, bleibt mein Schreiben in Schwung.
Mechthild Tillmann, April 2021